von Marcel Gyr / Fritz+Fränzi
In einer Patchwork-Familie zu leben, ist meist ein schwieriges Unterfangen. Fritz+Fränzi hat mit betroffenen Familien gesprochen und sich von den besonderen Stolpersteinen erzählen lassen. Aber es gibt auch Wege, mit diesen umzugehen – der familiäre Flickenteppich kann gegenüber der traditionellen Familie sogar Vorteile haben.
Der Begriff Patchwork mag neueren Datums sein. Doch Familien, die einem Flickenteppich gleich zusammengewürfelt sind, hat es schon immer gegeben. Im Unterschied zu früher ist heute zumeist nicht mehr der frühe Tod eines Elternteils der Grund für die neue Familienbildung, sondern in erster Linie die hohe Scheidungsrate. Patchwork-Familien haben viele unterschiedliche, zum Teil sehr komplexe Konstellationen. Eines bleibt sich aber gleich: Die Anforderungen für alle Beteiligten sind grösser als bei einer herkömmlichen Familie.
Nicht zwei Meinungen, Weltanschauungen, Erziehungsmodelle oder Stundenpläne müssen koordiniert werden, sondern drei, vier oder mehr. Die Hälfte der beteiligten Parteien ist entweder im Streit auseinandergegangen oder will eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben. Ideale Voraussetzungen also, damit die Gruppendynamik Purzelbäume schlägt.
Terminkoordination als Herausforderung
«Vieles ist komplizierter geworden», sagt denn auch Katja, eine unter mehreren Betroffenen aus dem Bekanntenkreis, die auf einen von uns erstellten Fragebogen geantwortet hat. Sie empfiehlt, möglichst frühzeitig und möglichst verbindlich zu planen, insbesondere die Ferien.
Ein weiterer Knackpunkt sind die Kindergeburtstage: Wer feiert wann bei wem? Für manche sind sie eine der wenigen Gelegenheiten, bei der sich die alte Kernfamilie auch Jahre nach der Trennung unter sich trifft und die neuen Partner draussen bleiben. Für andere kann ein Kindergeburtstag gerade die Möglichkeit sein, die zwei Familien zusammenzuführen. «Bei uns hat sich das, nach vielen Jahren, eher zufällig ergeben», erzählt Damian. «Zu meiner Verblüffung war es sehr schön, und seither wiederholen wir das – einmal bei mir, das andere Mal bei meiner Ex-Frau.»
Geduld und Gelassenheit sind wichtig
Bei seinen eigenen Kindern habe das rund drei Jahre lang gedauert. Diese Zeit habe er mitunter als recht hart erlebt. Aber inzwischen könne er das Patchwork-Modell empfehlen, sagt Peter. Wobei es wahrscheinlich einfacher sei, wenn beide Partner Kinder haben und diese noch klein sind.
Geklärte Verhältnisse zwischen Kern- und Patchwork-Familie
Auch Doris empfiehlt, unbedingt klare Verhältnisse zu schaffen. Dazu gehöre, sich nicht nur zu trennen, sondern auch zu scheiden – und den neuen Partner zu heiraten. Das bedeute nicht, die gemeinsame Elternschaft nicht zu würdigen, ganz im Gegenteil: Sie vermittle ihren Kindern unmissverständlich, der Vater sei ihr bester Papa.
Im Buch «Glückliche Scheidungskinder» von Remo Largo und Monika Czernin widmen sich der renommierte Kinderarzt und die Journalistin in mehreren Kapiteln Fragen rund um die Patchwork-Familie. Empfehlenswert ist das Buch «Gute böse Stiefmutter», wo die Ethnologin und Journalistin Karin Frei anhand mehrerer Porträts das Thema der «ewigen Zweiten in der Patchwork-Familie» thematisiert.
Hollywood hat das Thema unter anderem mit dem berührenden Film «Seite an Seite» (Originaltitel «Stepmom») von Regisseur Chris Columbus aufgearbeitet, mit Julia Roberts und Susan Sarandon in den Hauptrollen.
Dieser Text ist im Elternmagazin «Fritz+Fränzi» erschienen. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages. Bearbeitet und um Titel und Zwischentitel ergänzt durch die Redaktion des Eltern Club Schweiz.
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