Wenn das Schulzeug zwischen Mama und Papa pendelt

Ein Kind lebt in zwei Haushalten, und das Lernen fällt irgendwo dazwischen durch. Nicht weil das Kind nicht will. Sondern weil zwei Zuhause selten dieselbe Ordnung haben.

Ich leite Fokus Nachhilfe, und wir begleiten Familien in der Deutschschweiz beim Lernen daheim. Mein Team und ich organisieren die Betreuung, beim Kind zu Hause sitzt dann die Lehrperson. Über die Jahre sieht man Muster. Und das mit den zwei Zuhause ist eines der hartnäckigsten, über das am wenigsten offen geredet wird.

Zwei Küchen, zwei Regeln, ein Matheblatt

Stell Dir ein Kind vor, das die Woche bei der Mutter ist und das Wochenende beim Vater. Bei der Mutter werden die Hausaufgaben nach dem Znacht am Küchentisch gemacht, Handy in der Schublade. Beim Vater läuft es lockerer, man setzt sich hin, wenn noch Zeit bleibt, und oft bleibt keine. Beides ist liebevoll gemeint. Aber für das Kind sind das zwei verschiedene Welten, und das Matheblatt für Montag liegt am Sonntagabend im falschen Haus.

Das klingt nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht. Ein Kind, das jede Woche zwischen zwei Systemen wechselt, muss ständig umschalten. Wo liegt mein Etui? Wann wird bei wem gelernt? Darf ich hier am Tablet arbeiten oder nicht? Diese kleinen Fragen kosten Energie, jede einzelne, und am Ende bleibt für den eigentlichen Stoff weniger übrig, als alle denken.

Und dann kommt die Schule dazu, die von einem einzigen, verlässlichen Zuhause ausgeht. Ein Kind mit zwei Adressen erklärt das ungern. Es will nicht die Sonderrolle. Also sagt es nichts, und die Lücken wachsen leise.

Warum das Kind nicht der Bote sein sollte

Was mir dabei am meisten am Herzen liegt: Kinder sollten die Unterschiede zwischen Mama und Papa nicht selber ausbügeln müssen. Wenn ein Kind zwischen den Eltern hin und her läuft und Botschaften überbringt, wie und wann gelernt wird, gerät es schnell in einen Loyalitätskonflikt. Es merkt genau, dass es bei Papa anders läuft als bei Mama, und es will keine Partei ergreifen. Also schweigt es lieber, auch beim Lernen.

Genau hier hilft manchmal jemand von aussen. Eine feste Lernbegleitung, die weder zu Mamas noch zu Papas Welt gehört, ist für das Kind ein neutraler Punkt. Diese Person macht keine Aussage darüber, wer es richtiger macht. Sie ist einfach da, jede Woche, mit demselben ruhigen Ablauf, egal in welchem Haus das Kind gerade schläft. Für viele Kinder ist das eine Erleichterung. Der Lernteil hängt plötzlich nicht mehr davon ab, welche Woche gerade ist.

Das nimmt übrigens auch den Eltern Druck. Getrennt erziehen heisst oft, dass man sich über vieles abstimmen muss und über das Lernen dann schlicht nicht mehr die Kraft hat. Wenn dieser eine Bereich zuverlässig läuft, ohne dass Mutter und Vater sich darüber koordinieren müssen, entspannt das die Lage für alle. Wie sich Hausaufgaben ohne den täglichen Streit begleiten lassen, ist ohnehin ein Thema in jeder Familie, aber in zwei Haushalten wird es doppelt wichtig.

Was von aussen geht und was nicht

Ich will hier ehrlich sein, weil ich denke, dass Deine Leserinnen genau hinschauen. Eine Lernbegleitung ist kein Ersatz für das, was eine Trennung im Kind auslöst. Wenn ein Kind unter der neuen Situation wirklich leidet, sich zurückzieht, schlecht schläft, plötzlich ganz anders ist, dann gehört das in gute Hände, und dafür gibt es Fachstellen und Beratungsangebote, die viel näher dran sind als ich es je sein könnte. Das eine ersetzt das andere nicht.

Worum es beim Lernen geht, ist schlichter. Es geht um Struktur, die nicht am Wohnort hängt. Um eine Bezugsperson, die bleibt, während drumherum vieles wechselt. Und um die Botschaft an das Kind, dass die Schule sein eigener Bereich ist, unabhängig davon, wo gerade Mama oder Papa dran sind.

Bei uns beginnt das mit einem Gespräch, kostenlos und einfach per Telefon. Meistens sitzt am anderen Ende ein Elternteil, das erschöpft ist und sich fragt, ob man das dem Kind überhaupt zumuten kann, noch etwas Zusätzliches. Meine Erfahrung ist: Wenn dieses Zusätzliche verlässlich und ruhig daherkommt, ist es für das Kind oft das Gegenteil von Belastung. Es ist der eine Punkt in der Woche, an dem klar ist, wie es läuft, ganz egal, in welchem Zuhause es aufwacht.

Liam Mörker ist Mitgründer von Fokus Nachhilfe. Zusammen mit seinem Team organisiert er Lernbegleitung für Familien in der ganzen Deutschschweiz, mit einer Lehrperson, die zum Kind nach Hause kommt. Das Erstgespräch ist kostenlos und läuft unkompliziert per Telefon.