Mann, 29j, lernt Frau, 25,j kennen. Beide verheiratet – er ohne Kinder, sie mit drei. Kann das gut gehen? Ja. Aber einfach ist es nicht.
Wie alles begann
Anfang der 2000er hatte ich eigentlich einen klaren Plan für mein Leben: keine Kinder.
Meine Ehe war nach mehreren gescheiterten Versuchen, eine Familie zu gründen, an einem Punkt angekommen, an dem ich mich innerlich bereits verabschiedet hatte. Der Kinderwunsch meiner damaligen Frau war allerdings weiterhin groß. Zwischen uns entstand eine Kluft, die irgendwann nicht mehr zu schließen war.
Dann kam ein Mittwochabend irgendwo auf der Schwäbischen Alb.
Ich saß in einer Kneipe vor einem Teller Maultaschen, schaute Fußball und kam mit einer Gruppe Frauen ins Gespräch. Eine davon war Steffi. 25 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder.
Wir verstanden uns auf Anhieb. Wir tauschten Telefonnummern aus – und schrieben anschließend tausende SMS. Damals kostete jede SMS noch Geld. Unsere Handyrechnungen waren entsprechend beeindruckend.
Schnell wurde klar: Auch Steffis Ehe funktionierte nicht mehr. Ihr Mann war Soldat, hatte nach mehreren Auslandseinsätzen mit erheblichen Problemen zu kämpfen und war alkoholabhängig.
Wir beide steckten also in Beziehungen, die eigentlich schon lange nicht mehr funktionierten.
Aus Gesprächen wurden Treffen. Aus Treffen wurde Verliebtheit. Und irgendwann war klar: Wir wollten unser Leben miteinander verbringen.
Nur über eine Sache sprachen wir kaum:
Wie soll das funktionieren – mit drei Kindern?
Drei Kinder, von denen plötzlich auch ich ein Teil war
Steffis Kinder waren damals gerade einmal elf Monate, zwei Jahre und acht Jahre alt.
Ich hatte keine Ahnung von Kindern. Noch weniger von Kindererziehung.
Trotzdem stellte ich mir die entscheidende Frage nie wirklich. Für mich war klar:
Wenn ich die Frau will, gehören ihre Kinder dazu.
Also nahm ich die Herausforderung an.
Die beiden kleinen Mädchen waren schnell meine Freundinnen. Bei Sophia half eine Milchschnitte beim Kennenlernen. Diese Strategie musste ich später allerdings gegen die regelmäßige Plünderung meiner Milchschnittevorräte verteidigen.
Bei Marvin war es schwieriger.
Er war acht Jahre alt, liebte seinen Vater und verstand die Situation überhaupt nicht. Die Trennung seiner Eltern setzte ihm sichtbar zu. Hausaufgaben wurden regelmäßig zum Drama, besonders Mathematik. Er schrie, weinte, beschimpfte seine Mutter und zeriss seine Hefte.
Ich war zunächst ratlos.
War ich wirklich bereit für dieses Leben?
Der schwierigste Schritt
Während Steffi und ich immer enger zusammenwuchsen, mussten wir unsere bisherigen Ehen beenden.
Meine eigene Trennung war emotional schwer. Ich fühlte mich schuldig, weil ich meiner damaligen Frau die Chance nahm, ihren Kinderwunsch mit mir zu verwirklichen.
Doch irgendwann musste ich akzeptieren: Eine Beziehung aufrechtzuerhalten, die innerlich bereits beendet war, würde niemandem helfen.
Auch Steffis Trennung verlief schwierig. Ihr Mann wusste inzwischen von mir und die Situation eskalierte immer wieder.
Eine Zeit lang lebten wir sogar gemeinsam unter einem Dach – Steffi, die drei Kinder, ihr Noch-Ehemann und ich.
Eine WG, die wir heute mit einem Schmunzeln betrachten.
Damals war daran allerdings wenig lustig.
Die Spannung war enorm. Es gab Drohungen, Streit und Situationen, die im Nachhinein durchaus gefährlich hätten werden können.
Und mittendrin: drei Kinder.
Aus dem Sunnyboy wird ein Bonus-Papa
Irgendwann zog Steffis Mann aus.
Damit begann unser eigentliches Familienleben.
Ich musste lernen, was es bedeutet, Verantwortung für drei Kinder zu übernehmen, die nicht meine eigenen waren. Und ich musste lernen, dass Kindererziehung nicht nach dem Prinzip funktioniert:
Anweisung – Ausführung – Ergebnis.
Meine anfängliche Vorstellung war ungefähr: „Ich sage, was gemacht wird, und dann wird es gemacht.“
Die Realität sah eher so aus:
Anweisung – Verweigerung – Erklärung – Vormachen – nochmal erklären – nochmal vormachen …
Ich musste lernen, dass es zwischen Schwarz und Weiß sehr viele Grautöne gibt.
Vor allem musste ich lernen, nicht von mir auf andere zu schließen.
Marvin und die Mathematik
Eine der wichtigsten Entwicklungen betraf Marvin.
Er war auffällig aggressiv und hatte massive Probleme in der Schule. Zunächst wurde ADHS vermutet und eine Behandlung mit Ritalin begonnen.
Ich hatte damals zwar nichts zu entscheiden, war aber überzeugt, dass wir eine zweite Meinung brauchen.
Und tatsächlich: Das eigentliche Problem war nicht ADHS.
Marvin hatte Dyskalkulie – eine Rechenschwäche.
Mit professioneller Unterstützung veränderte sich plötzlich vieles. Mathematik wurde beherrschbar, die Schule machte wieder Spaß und auch sein Verhalten wurde zunehmend ausgeglichener.
Für mich war das eine wichtige Lektion:
Manchmal ist nicht das Kind das Problem. Manchmal haben wir Erwachsenen das Problem nur noch nicht verstanden.
Vom Paar zur Familie
2003 zogen wir nach Königsbronn.
Wir waren inzwischen nicht mehr nur zu fünft. Auch unsere Mischlingshündin Susi kam zu uns.
Mit dem Umzug begann ein neuer Abschnitt. Die Kinder wurden älter, ich wurde immer mehr zum festen Bestandteil ihres Lebens.
Natürlich gab es Konflikte. Viele.
Mit Marvin und später auch mit seinen Schwestern krachte es immer wieder. Aber aus diesen Auseinandersetzungen entstanden Gespräche, Kompromisse und letztlich eine immer stärkere Verbindung.
Ich übernahm zunehmend Verantwortung – auch finanziell.
Nicht, weil wir das irgendwann schriftlich vereinbart hätten, sondern weil für mich klar war:
Wenn wir eine Familie sind, tragen wir auch gemeinsam Verantwortung.
Was wirklich zählt
Wir haben im Laufe der Jahre viele schwierige Situationen erlebt.
Es gab Zeiten, in denen ich nicht wusste, ob ich das alles schaffen würde. Zeiten, in denen unsere Beziehung auf der Probe stand. Zeiten, in denen externe Hilfe nicht wirklich weiterhalf.
Letztlich waren es die Gespräche miteinander – mit Steffi, den Kindern, unseren Eltern und Geschwistern – die uns weitergebracht haben.
Und heute?
Die drei Kinder sind erwachsen.
Marvin ist inzwischen 29 und arbeitet als SPA-Manager für AIDA und reist um die Welt. Madeleine ist 24 und lebt mit ihrem Freund. Sophia ist fast 23 und arbeitet als Erzieherin.
Steffi und ich sind immer noch zusammen.
Und wir freuen uns inzwischen auf die nächste Generation: unsere zukünftigen Enkel.
Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich manchmal, wie ich damals so naiv sein konnte.
Ich hatte keine Ahnung von Kindern.
Keine Ahnung von Patchwork.
Keine Ahnung davon, was Verantwortung wirklich bedeutet.
Aber ich hatte etwas, das wichtiger war:
Liebe und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Vom Sunnyboy zum Bonus-Papa – und zurück
War es schwierig?
Ja.
Hat es uns viel gekostet?
Ja.
Hat es mir viel abverlangt?
Ja.
Aber es hat sich gelohnt.
Wir haben für drei Kinder eine Familie geschaffen, in der sie wachsen und selbstständige Menschen werden konnten.
Und ich habe dabei gelernt, dass man seine eigenen Wünsche, Träume und Ziele nicht aufgeben muss, nur weil man Verantwortung für andere übernimmt.
Im Gegenteil.
Man kann beides miteinander verbinden.
Genau darum geht es heute auch in meinem Lifecoaching.
Wie schafft man es, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst dabei zu verlieren?
Wie bleibt man seinen eigenen Zielen treu und baut gleichzeitig ein erfülltes Familienleben auf?
Darüber erzähle ich mehr auf: www.coach2call-mr.de
Ich freue mich auf euer Feedback zu diesem Artikel.
Schreibt mir gerne an tues@coach2call-mr.de
Euer Mathias Ranz
gekürzt von Michèle Pête
