Dies können Patchwork-Kinder besser

Patchwork-Familien haben noch immer mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Oft heißt es, Eltern hätten nicht die Ausdauer, ihre Kinder gemeinsam zu erziehen, während den Kindern Orientierung und feste Bezugspunkte fehlen.

Tatsächlich kann eine Trennung oder Scheidung für alle Beteiligten belastend sein. „Kinder wünschen sich fast immer, dass ihre leiblichen Eltern zusammenbleiben“, sagt Familientherapeutin Eva-Maria Hesse.

Doch neben den Herausforderungen bietet eine Patchwork-Familie auch Chancen – und zwar nicht nur für die Erwachsenen. Kinder können durch die besondere Familiensituation wichtige Fähigkeiten entwickeln, die ihnen auch später im Leben zugutekommen.

1. Veränderungen fallen ihnen leichter

Kinder aus Patchwork-Familien erleben früh, dass sich Lebenssituationen verändern können. Dadurch lernen sie, sich auf neue Menschen, neue Abläufe und neue Situationen einzustellen.

„Kinder aus Patchwork-Familien lernen, dass das Leben aus Veränderungen besteht“, erklärt Hesse. Neue Situationen werden dadurch nicht zwangsläufig als Bedrohung empfunden, sondern können als Herausforderung verstanden werden.

Diese Erfahrung kann Kindern dabei helfen, Veränderungen aktiv anzunehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

2. Sie entwickeln Flexibilität und diplomatisches Geschick

Die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Menschen und Situationen einzustellen, kann auch im späteren Berufsleben hilfreich sein.

Kinder aus Trennungs- und Patchwork-Familien lernen häufig, unterschiedliche Bedürfnisse wahrzunehmen und sich taktvoll und diplomatisch zu verhalten. Die Scheidungspsychologin Judith Wallerstein sieht darin Fähigkeiten, die beispielsweise im Marketing, in der Kommunikation oder in juristischen Berufen von Vorteil sein können.

3. Sie lernen, mit Konflikten umzugehen

In Patchwork-Familien treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Vorstellungen aufeinander. Konflikte lassen sich daher nicht immer vermeiden.

Gerade diese Erfahrungen können Kindern helfen, besser mit Auseinandersetzungen umzugehen. Sie lernen, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, die Perspektive anderer zu verstehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ein typisches Beispiel sind Eifersucht und Rivalität zwischen Kindern. Wenn eine Familie neu zusammenwächst, kann schnell das Gefühl entstehen, weniger Aufmerksamkeit oder Liebe zu bekommen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder ihre Gefühle offen ansprechen dürfen und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird.

4. Ihre soziale Kompetenz kann wachsen

Patchwork-Familien bringen häufig zusätzliche Bezugspersonen und unterschiedliche Persönlichkeiten in das Leben eines Kindes. Dadurch erfahren Kinder, dass Menschen unterschiedliche Bedürfnisse, Grenzen und Lebensweisen haben.

„Sie gehen mit einer Vielzahl von Persönlichkeiten Beziehungen ein“, sagt Hesse. Diese Erfahrungen können es ihnen später erleichtern, mit ganz unterschiedlichen Menschen umzugehen – sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld.

Auch neue Partnerinnen oder Partner der Eltern können zu wichtigen Bezugspersonen werden. Sie können Kindern zusätzliche Unterstützung, Aufmerksamkeit und Orientierung geben.

aus Huffington Post von Gina Louisa Metzler
gekürzt Michèle Pête